Ausstellung 2011 – Not- und Nachkriegszeit

ausstellung2011

„Not- und Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1955“

Ausstellung „Not- und Nachkriegszeit“ – Chronikkreis Sillenstede beschäftigte sich mit Zeit nach dem Krieg
Bericht von Martin Noormann

Sillenstede – „Not- und Nachkriegszeit“ heißt die neue Ausstellung, die von den Mitgliedern des Chronikkreises Sillenstede vorbereitet wurde. Es gibt nur noch wenige Erinnerungsstücke an die schwere Zeit nach dem verlorenen Weltkrieg bis zur Währungsreform und den ersten Jahren danach.

Doch mit der allmählichen Verbesserung ihrer Lebenssituation haben sich viele Menschen von Erinnerungsstücken getrennt und diese weggeworfen, um nicht ständig an die schweren Tage erinnert zu werden.

In Sillenstede war die Situation im Mai 1945 nicht anders wie in anderen Kommunen auch. Es fehlte fast alles und es gab fast nichts. Der Wohnraum war bereits knapp, da einige Gebäude schon im Krieg „durch Feindeinwirkung“, wie es amtlich genannt wurde, zerstört waren. Schwerer hatte es die größeren Städte getroffen und von dort suchten die Menschen ein Unterkommen im Umland.

Flüchtlinge aufgenommen
Hinzu kamen die Menschen, die aus ihrer angestammten Heimat geflüchtet waren, die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten verschärfte die Situation enorm. So musste jeder Raum genutzt werden, auch die „Hinterlassenschaften“ der Wehrmacht, in Sillenstede insbesondere das Barackenlager Pionierpark, aber auch die Batterie und andere Wehrmachtsbaracken im Gemeindebereich. Diese waren alle in einem schlechten Zustand, in den Vorjahren hatte man die Unterhaltung vernachlässigt, sie waren außerdem von Anfang an nicht als Wohnraum für Familien konzipiert.

Es gab kaum Möbel und Bekleidung, auch hier musste improvisiert werden. Überbleibsel der Wehrmacht sehr unterschiedlicher Art wurden mit viel Geschick zum Gebrauch im täglichen Leben umfunktioniert. Das galt ebenso für die notwendige Bekleidung, aus manchem Uniformteil wurde in mühevoller Handarbeit ein Bekleidungsstück gefertigt. Noch schwerer war die Sorge um das tägliche Brot.

Viele Handwerker bewiesen hier Talent, richteten ein kleines Unternehmen ein und übernahmen solche Aufgaben, um auf diese Weise für ihre Familie zu sorgen, denn Arbeitsplätze waren ebenfalls rar. Erst langsam normalisierte sich der Alltag und in den Gemeinden und Ortschaften entwickelte sich langsam wieder das Leben. Zunächst waren es Zweckorganisationen, in denen sich die Menschen vereinten, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Erst später hatte man Zeit für Unterhaltung oder Vergnügen.

Gleiche Sorgen und Nöte
Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die gemeinsamen Probleme Einheimische und Vertriebene zusammengeführt, alle hatten die gleichen Sorgen und Nöte. Dieser Gemeinschaftssinn wird heute vielfach vermisst. Mit der Belebung der Wirtschaft und den Siedlungsprogrammen verschwanden die Barackenlager, schmucke Neubauten entstanden an ihrer Stelle. So sind in den Orten auch diese äußeren Zeichen der einstigen Notlage verschwunden. Nur noch ältere Mitbürger erinnern sich an den einstigen trostlosen Anblick.

Bilder von Olaf Runge