Sillenstede
Sillenstede gehört seit 1972 zur Gemeinde Schortens. Der Ortsteil wird von ca. 2300 Einwohnern bewohnt. Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals im Vatikanischen Archiv im Jahre 1138 als Celensteda. Über Zelansteda (1350), Szelinstede (1354), Tzillenstede (1438) entwickelte sich der Namen zu Sillenstede. Der Ursprung ist nicht geklärt: entweder von „S.Cecillia“, deren Name auf der kleinen Glocke steht oder von Siel (altfriesisch zyl) =Durchlass durch einen Deich.
Besiedelt wurde das Gebiet bereits am Ende der letzten Eiszeit etwa 8000 v. Chr. Zu dieser Zeit lag die südliche Nordsee bis zur Doggerbank und Jütland trocken, d.h., die Siedlungen waren mehrere hundert Kilometer von der Nordsee entfernt. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der Jungsteinzeit (etwa 5000 – 1700 v.Chr.).
Während der Bronzezeit führte die Klimaerwärmung zu einem Vordringen des Meeres mit Überflutungen des bis dahin trockenen Gebietes. Es bilden sich Moore, die während der Eisenzeit um 600 v.Chr. durch Überschlickung durch das weiter vordringende Wasser zu Marschen werden. Die Chauken, Bewohner des damaligen Gebietes, reagierten um 200 v.Chr. mit dem Bau von Warften (Accum, Gummelstede, Wulfswarfe). Diese erhöhten Siedlungsplätze boten Schutz vor dem Wasser. Im 3. und 4. Jahrhundert n.Chr. siedelten sich auch die Sachsen an und erweiterten die Warftsiedlungen (Warftreihe, Purkswarfe, Menssens, Zielens).
Ende des 4. Jh. kam es nach Sturmfluten zur ersten Auswanderungswelle der Chauken und Sachsen nach Britannien. Die nachfolgenden Friesen erhöhten abermals um das Jahr 600 die Warften, die meisten Gehöftwarften Sillenstedes entstehen.
Um die Jahrtausendwende kommt der Warftenbau zum Stillstand, stattdessen werden Deiche errichtet, die auch der Landgewinnung dienten. Verkehrs- und Handelswege waren in Sillenstede die Wasserwege, die durch die ständigen Überflutungen und die Bildung von Seebalgen (= größere Wasserrinne im Watt), Sieltiefs und Leiden (= ehemaliger Wattstrom) entstanden waren. Die Helgenleide war bereits vor Einbruch des Jadebusens 1164 schiffbar und bestand auch nach der Antoniflut 1511 weiter. Über diesen Weg wurden die Steine zum Kirchbau und das Vieh und Getreide transportiert.
Die anhalt-zerbstischen Soldaten, die vor 200 Jahren von ihrem Landesherrn nach England verkauft wurden, sind über die Helgenleide und das Hookstief nach Hooksiel und von dort nach Stade gebracht worden. Der Hafen (Helgen) befand sich nahe der heutigen Dicktonnenstraße. Sillenstede hatte durch das Sillensteder Tief (ein alter Priel) noch bis ins 19. Jh. direkten Zugang zum Meer.
St.-Florian-Kirche
Zu Beginn der Christianisierung im 8.Jahrhundert durch Willehad entstanden die ersten Kirchwarften mit hölzernen Kirchen. Infolge der Oestringer Fehde (1138) wurde die Holzkirche in Mitleidenschaft gezogen und 1233 durch eine mächtige Granitquaderkirche ersetzt, die ausreichend Schutz vor Sturmfluten bot. Es ist die St.-Florian-Kirche, benannt nach dem Schutzheiligen in Feuers- und Wassernot.
Als Baumaterial dienten die Granit-Findlinge, welche die Gletscher aus Skandinavien mitgebracht hatten und die man in den norddeutschen Moränengebieten in großer Zahl fand. Sie wurden gespalten und rechteckig behauen. In Schalenbauweise über- und nebeneinandergesetzt errichtete man erst die Außen- und Innenwände und füllte dann die Zwischenräume mit Steinabfall und Muschelkalk. So entstanden 1,40 m starke Mauern. Das Granitquaderwerk ist auf beiden Längsseiten und der Apsis vollkommen erhalten, nur durch hochgelegene schmale Fenster und schlichte Portale unterbrochen.
Mit einer Länge von 44 m, einer Breite von 13 m und einer Mauerhöhe von 11 m ist St.-Florian die größte Granitquaderkirche im Jeverland. Das Innere enthält den Chorbereich mit einem mächtigen Triumphbogen, wertvolle Kunstwerke und Wandmalereien. Die Orgel stammt von Johann Adam Berner und wurde 1757 gebaut.
Quelle: Gemeinde Schortens
Wappen von Sillenstede
Im oberen Feld des dreiteiligen Wappens sieht man drei gesprenkelte Kiebitzeier, die darauf hindeuten sollen, dass Sillenstede überwiegend in der Marsch liegt. Darunter zeigt das Wappen im Mittelfeld zwei Putaale (Schlammpeizger).
In Strackerjans ,,Aberglauben und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg' wird darauf hingewiesen, dass die Sillensteder einst beim Aalpricken nur Putaale (Schlammpeizger) fingen, die sie arglos verspeisten. Seither werden sie von ihren Nachbarn Putenfanger genannt.
Den unteren Teil des Wappens füllt ein Grütztopf (Görtpott) aus. Sillensteder Grütze soll früher in Jever gehandelt worden sein. Ein altes Sprichwort sagt: "Dat geiht een Kroos um´t anner, as de Sillensteder Gört!"